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Vertrieben aus Hietzing

Gerda Schulmann

Gerda Schulmann machte ihr Doktorat in Rechtswissenschaften in Wien. Ihre Familie floh letztendlich in die Vereinigten Staaten.

Mein erster Besuch in Wien 1961 war sehr unerfreulich, da die meisten Menschen denen ich begegnete nur über ihr eigenes Leiden durch den Krieg und der dann Sowjetunion sprechen konnten und nicht freundlich den früheren Residenz gegenüber waren. Ich bin erleichtert, dass die nächste Generation und jüngere Leute ein wenig verstehen, was ihre Grosseltern direkt oder indirekt verbrochen haben.

Ich hörte auch, dass der Hietzinger Tempel zerstört wurde. Ich war 10 Jahre, als meine Eltern eine Villa in Hietzing kauften und bis zur Flucht 10 Tage nach dem Einmarsch Hitlers bewohnten. Vorher lebten wir im dritten Bezirk. Meine ältere Schwester Lily und ich gingen aber in die Schwarzwaldschule und haben deshalb nicht das Hietzinger Gymnasium besucht. 

Bei meinem Besuch im August war mein Enkel sehr beeindruckt, zu sehen, in welcher Umgebung ich aufgewachsen bin. Ich habe natürlich gemischte Gefühle wenn ich „unser“ Haus sehe, das sofort wie auch meines Vaters Firma ariesiert und von Ariern übernommen wurde. Als meine Schwester vor einigen Jahren hinkam und läutete, wurde sie sehr unfreundlich von den jetzigen Einwohnern empfangen, obwohl sie nichts von ihnen wollte, als ihre Kindheitserinnerungen zu erneuern. Ich habe natürlich nicht angeläutet, aber wir haben Fotos gemacht.

Da ich nach dem Gymnasium auf die Universität ging und 2 Monate bevor Hitler einmarschierte, mein Doktorat als Dr. Juris machte, verbrachte ich nie viel Zeit in Hietzing und die meisten meiner Freunde waren von der „Stadt“. Meine Schwester, die sehr jung heiratete und ihre Babys in unserem Haus hatte war mit vielen Hietzingern sehr verbunden und ich erinnere mich, dass ich jeden Sonntag mit den Zwillingen nach Schönbrunn ging und ihnen Luftballons kaufte.

Unsere Familie, im Kontrast der meisten anderen, war sehr glücklich. Meine Mutter, die die Gefahr einschätzte, bewegte erst meinen Vater und innerhalb der zweiten Woche aus zu fliehen. Wir liessen alles zurück- Fotos, meine geliebten Bücher etc. und warteten bis sich 13 Mitglieder unserer Familie in Triest, wo mein Vater geschäftliche Verbindungen hatte, einfanden. Fast alles liessen wir zurück, da wir mit Recht Angst hatten, dass Hausgehilfen und Hausmeister nicht auf unserer Seite waren. Es war also, ob das ganze von mir damals so geliebte Wien sich gegen uns wendete.

Meine Familie emigrierte nach Argentinien und ich ging mit meinem Verlobten, der ein Holländer war, erst nach Holland und dann auf Bewegen meiner Mutter, die den Krieg voraussah, nahmen wir das letzte Schiff in die Vereinigten Staaten. Dort studierte ich wieder – diesmal Sozialarbeit und bekam ein lebenslanger „Therapist“. Ich arbeite noch immer in private practise und werde die Generosität der Amerikaner, einer jungen Studentin gegenüber nie vergessen. Später kamen meine Eltern und viele Mitglieder meiner Familie in die USA.

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