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Vertrieben aus Hietzing

Stella K. Hershan

Stella Hershan ging in die Wenzgasse zur Schule und flüchtete in die Vereinigten Staaten, wo sie Schriftstellerin wurde.

Im 99. Lebensjahr verstarb im August 2014 dieses Jahres die aus Österreich vertriebene Schriftstellerin Stella K. Hershan. Bis zu letzt lebte sie in ihrer Wohnung am Washington Square in New York, die mit vielen Fotos und Erinnerungsstücken ein Stück Wien für sie war. Ihre Tochter Lisa schreibt: „I am so very grateful for the long time I had her and for the fact that she never suffered or was ill. She lived in her apartment until the end and her mind was still sharp.“ 

Stella K. Hershan wurde am 7. 2. 1915 in Wien als Kind jüdisch assimilierter Eltern geboren und lebte bis zu Ihrer Flucht vor den Nazis in Hietzing in der St. Veitgasse. Über die Schweiz, quer durch Frankreich floh sie zunächst nach Paris, dann nach Cherbourg in der Normandie, wo sie das Schiff Queen Mary bestieg. Am 9. Februar 1939 erreichte sie New York. 

Siue widmete sich in ihren Romaen Frauenpersönlichkeiten wie zum Beispiel der russischen Fürstin Katharina Bagration-Skawronskaya, die eine Liebesbeziehung zu Metternich einging. Ihr Leben wird im Roman „Der nackte Engel, Roman“ (Originaltitel: The Naked Engel London 1973), geschildert. Dieses Buch wurde in zahlreichen Sprachen übersetzt. Weitere Romane: „Daughter of revolution“ (München. 1989) und der Briefroman über Kaiser Elisabeth „In Freundschaft, Elisabeth. Briefroman.“ (1992) „The Maiden of Kosovo“ (2003) Darüber hinaus hat sie einige Sachbücher so zum Beispiel über Eleonor Roosevelt verfasst. 

Im Jahr 2005 hat die VHS Hietzing ihr zu Ehren eine biographische Ausstellung für Stella K. Hershan gestaltet. Ihren 90. Geburtstag feierte Sie im Rahmen der Ausstellung in der Volkshochschule. Die VHS Hietzing wird sich bemühen, dass eine Straßenfläche nach dieser vertriebenen Schriftstellerin in Hietzing benannt wird. 

“Ich bin in Hietzing aufgewachsen und bin einige Jahre ins Hietzinger Gymnasium an der Wenzgasse zur Schule gegangen. Leider habe ich persönlich nichts besonders Gutes von diesen Jahren zu berichten. Meine Einführung in das Schulwesen begann in der „Freien Schule“ an der Albertgasse. Diese Schule hatte einen ganz großen Eindruck auf mein Leben gemacht. Es war eine ganz fortschrittliche und liberale Schule, in der man lernte für sich selbst zu denken. Es gab keine Bänke, sondern kleine runde Tische und man wählte, was man in der nächsten Stunde lernen möchte. Hausaufgaben gab es nicht und man lernte auch, dass man Anordnungen, mit denen man nicht einverstanden war, unbedingt befolgen sollte. Nachher zogen wir nach Hietzing. Ich denke, während meiner ersten Schulzeit, habe ich mich im Hietzinger Gymnasium an der Wenzgasse nicht sehr bewährt. Die Schule war sehr streng und ich bin in der 3. oder 4. Klasse in Turnen, Naturgeschichte und Mathematik durchgefallen.

Aber trotzdem ich in der Versetzungsprüfung in Naturgeschichte alles über den Tintenfisch, welcher mich interessierte, wusste, behauptete die Lehrerin, dass ich geschwindelt hatte, da ich durch das ganze Jahr kein einziges Buch geöffnet hatte, und ich die Klasse doch noch einmal wiederholen musste. Da ich schon damals eine Fanatikerin gegen Ungerechtigkeit war, erklärte ich, dass ich nicht weiter in diese Schule gehen würde. Ich verließ das Gymnasium und ging in die Sprachschule Weiser, eine Fortbildungsschule für junge Mädchen und dort lernte ich wenigstens Sprachen – ich wusste nicht, wie wichtig das für mein späteres Leben sein würde, und auch Literatur – sehr wichtig für mein späteres Leben als U.S. Schriftstellerin, eigentlich hatte das schon in der Schule begonnen, da ein Aufsatz von mir in der Jugendbeilage der Freien Presse gedruckt wurde.

Die Flucht

Er hieß „Menschen in der Bar“ und ich war sehr stolz und dachte ich sei nun Schriftstellerin mit ungefähr 15. Trotzdem heiratete ich sehr jung, mit achtzehn hatte ich eine Tochter und dann begannen die schrecklichen Jahre und wir mussten flüchten. Aber nach den ersten harten Jahren in Amerika begann ich mein Studium nachzuholen. Ich nahm viele Kurse an der New Yorker Universität, die Professoren dort waren sehr freundlich und sagten ich hätte einen sehr angenehmen, einfachen Stil. Ich schrieb meinen ersten Roman auf englisch, er heißt „Der nackte Engel“ und handelt über eine russische Prinzessin, welche eine berühmte Liebesaffäre mit Fürst Metternich hatte. In Amerika fand ich kein Interesse an europäischer Geschichte und der Roman wurde dann von Fritz Molden Verlag in Übersetzung 1972 in Wien verlegt. Er wurde ein Bestseller, wurde auch in Wien im Kurier in Kurzfassung publiziert und in 5 Sprachen übersetzt. Ihm folgten andere Bücher auch in Übersetzung. Ein Kind der Revolution, zur Zeit von Marie Antoinette und Napoleon, zwei Bücher über Eleanor Roosevelt auf Englisch und „In Freundschaft Elisabeth“.

Brief der Kaiserin

Ein fiktiver Brief der österreichischen Kaiserin, welchen ich selbst auf Deutsch geschrieben habe und welcher in allen deutschsprechenden Ländern sehr freundlich aufgenommen wurde. Ich denke meine damaligen Lehrerinnen im Hietzinger Gymnasium würden sehr erstaunt sein. Aber außer der Schule, habe ich mein Leben in Hietzing in sehr warmer Erinnerung. Vielleicht interessiert es Sie auch, dass ich im November 1933, in der Synagoge in der Eitelbergergasse getraut wurde. Auch möchte ich hinzufügen, dass die Firma meines Mannes (deceased) Rudolph Herschan, die Eisenkonstruktion Fabrik Siegfried Herschan (sein Vater), am Bau dieser Synagoge beteiligt war.“

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